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Unterwegs mit der Kamera

Fighting Zebras, Kenya, Zebra_Fight-1965, light-phenomenon.com, Daniel Haller

Deine Safari-Fotos werden besser, wenn du diese 10 Fehler vermeidest

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Sehen ist anders, als erzählt bekommen

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Das Drama des Lebens: Nur Sekunden später hörte ich die Knochen brechen. Mara River, Kenia

“Sehen ist anders, als erzählt bekommen”, sagt ein kenianisches Sprichwort. Treffender könnte dies nicht für eine Safari zutreffen. Afrikanische Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, löst Emotionen aus. Jenseits jeglicher Zivilisation fühlt man sich als Mensch klein. Auf engem Raum gefangene Zootiere können diese Erfahrung in keiner Weise vermitteln.

Doch wie schafft man es, die spannendsten Safari-Momente in einem Bild festzuhalten?

Eine Königsdisziplin

Hippo, Masai Mara, Kenya, Hippo-7891, light-phenomenon.com, Daniel Haller

Grossmaul: Ein Hippo vor Sonnenaufgang in der Masai Mara, Kenia. Den grössten Teil des Tages verbringen Nilpferde im Wasser.

Die ambitionierte Tierfotografie gehört aus meiner Sicht zu den Königsdisziplinen der Fotografie. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie ernüchternd die Bildausbeute meiner ersten Afrika-Safari aus heutiger Sicht ausgefallen ist. Als Anfänger hatte ich viele Bilder verwackelt. Zudem hatte kaum eines der übrigen scharfen Bilder diesen Wow-Effekt, über den man sich als Fotograf so freut, wenn man seine Bilder zeigt.

Was hatte ich falsch gemacht? Fast alles!

Spektakuläre Tier- und Naturfotos

Impala Fight, Masai Mara, Fight-8254, light-phenomenon.com, Daniel Haller

Auf die Hörner genommen: Kämpfende Impalas, Masai Mara, Kenia

Möchtest du deine Safari in spektakulären Tier- und Naturfotos festhalten? Fotos, welche deine Erlebnisse lebendig wiedergeben? Deine Chancen dies zu erreichen steigen erheblich, wenn du die folgenden 10 Fehler kennst und vermeidest.

  1. Fehler: Sich erst während der Reise informieren: Setz dich VORHER mit deinem Reiseziel auseinander. Nebenbei steigert dies auch die Vorfreude auf deine Safari. Stimme dich gedanklich auf das ein, was du vermutlich sehen wirst. Hol dir Bücher in deiner Bibliothek und studiere das Verhalten der Wildtiere. Lies über das Land und lerne die Lebensumstände der Bevölkerung kennen. Wenn du dir dafür Zeit nimmst, entwickelt sich zu deinen Fotomotiven eine emotionale Beziehung, die sich in deinen Bildern wiederspiegeln wird.

    Annäherungsversuch einer Giraffe

    Ein flüchtiger Moment: Gute Fotos erzählen eine Geschichte und wecken Emotionen.

  2. Fehler: Lang ausschlafen und abends früh zum Sun-Downer fahren: Einer der grössten Fehler! Viele Tiere sind abends und in den frühen Morgenstunden am aktivsten. Sobald die Sonne höher am Himmel steht und es wärmer wird, ist die Show vorüber: Die Tiere suchen sich für ihre Siesta ein schattiges Plätzchen. Zudem ergibt das grelle Licht der Mittagsstunden nur in Ausnahmefällen gute Fotos.
  3. Fehler: Die Kamera erst während der Safari in die Hand nehmen: Gute Tierfotos zeigen einen speziellen Moment. Um diesen einfangen zu können, musst du schnell reagieren. Übe deshalb VORHER mit deiner Kamera. Schiess Bilder im Zoo. Übe mit bewegten Objekten, wie vorbeifahrenden Autos. Die anschliessende Auswertung am Computer-Monitor zeigt, ob die Schärfe im Bild richtig sitzt. Gleichzeitig gewinnst du ein Gefühl dafür, welche Verschlusszeiten bei Action-Aufnahmen sinnvoll sind.

    Two_Giraffes-9545

    Seltener Moment: Giraffen-Mutter in der Masai Mara, Kenia

  4. Fehler: Die Kamera-Automatik wählt den Focus-Punkt immer richtig: Definitiv falsch! Wenn du Tiere fotografierst, wählst du den Autofokus-Punkt manuell. Zu oft stellt der Autofokus die Grashalme vor dem imposanten Löwen messerscharf ein, “übersieht” aber den Löwen – sehr ärgerlich! Achte einmal darauf: Sind die Augen in einem Foto scharf abgebildet, wird das Bild vom Betrachter als “scharf” wahrgenommen, auch wenn andere Bildteile deutliche Unschärfen aufweisen. Sind die Augen dagegen unscharf abgebildet, wird das Foto von jedermann sofort als “unscharf” und missraten taxiert. Achte auf die Augen! Setze den Autofokus-Punkt deiner Kamera aufs Auge.
  5. Fehler: Zu kurze Brennweiten: Viele Profis sind sich einig: Ein gelungenes Tierfoto soll auch die Umgebung zeigen. Ein formatfüllendes Löwenportrait könnte ja auch im Zoo entstanden sein! Umso besser, wenn ein Tier eine natürliche Verhaltensweise zeigt. Gute Bilder erzählen eine Geschichte und ein 70-200mm Objektiv eignet sich gut, um Geschichten festzuhalten. Mit einem 100-400mm Teleobjektiv lassen sich auch Tier-Portraits fotografieren. Für kleine Vögel ist das aber meist immer noch zu wenig: 600mm oder mehr ist besser. Ein 1.4x oder 2.0x Extender kann in so einem Fall hilfreich sein. Halte einen gebührenden Abstand zu den Wildtieren ein: Die Safari-Guides und die Tiere sind dir dankbar, wenn du nicht mit einer kleinen Kompakt-Kamera oder gar mit deinem Smartphone Tierfotos schiessen willst. Das stresst alle Beteiligten!
  6. Fehler: Die Enzyklopädie-Shot-Falle: Wer zum ersten Mal ein “richtiges” Zebra sieht, will natürlich sofort ein Bild schiessen. Das ist auch gut so! Trotzdem solltest du darüber nachdenken, wie viele Enzyklopädie-Shots du fotografieren willst. Zu Hause wirst du nach ein paar Monaten feststellen: 287 Fotos, die ein (oder auch zwei…) Zebras von der Seite zeigen, sind langweilig. Das Problem: Die Tiere tun nichts! Sie stehen einfach da. Solche Bilder eignen sich hervorragend um einen Artikel in einem Lexikon oder einem Tierbestimmungsbuch zu illustrieren. Emotionen weckst du damit keine. Die Betrachter deiner Bilder langweilen sich bereits nach dem dritten Zebra-Enzyklopädie-Shot.

    Fighting Zebras, Sweetwater Game Reserve, Kenya, Zebra_Fight-1965, light-phenomenon.com, Daniel Haller

    Hier läuft etwas: Kämpfende Zebras, Sweetwaters Game Reserve, Kenia

  7. Fehler: Von oben herab: Falls nötig durchs Autofenster schiessen. Wenn sich Tiere in der Nähe des Fahrzeugs aufhalten, wirken Fotos besser, wenn du versuchst auf Augenhöhe der Tiere zu fotografieren. Bilder, welche vom Autodach aus geschossen werden, wirken in diesem Fall buchstäblich “von oben herab”. Öffne das Seitenfenster rechtzeitig, um keine Tiere zu verscheuchen. Die Fenster der Geländewagen klemmen häufig und lassen sich meist nur mit viel Lärm öffnen.

    Lion Cub, Masai Mara, Kenya, Lion_Cub-9731, light-phenomenon.com, Daniel Haller

    Auf Augenhöhe fotografieren: Dieses Bild habe ich durch die Seitenscheibe des Land Cruisers aufgenommen.

  8. Fehler: Mit dem Tele aus der Hand schiessen: Verwende einen Bohnensack, um verwackelte Aufnahmen zu vermeiden. Gute Safari-Veranstalter stellen Bohnensäcke im Fahrzeug zur Verfügung. In Ostafrika werden meist Safari-Fahrzeuge mit Aufstelldach eingesetzt. Auf dem Autodach lassen sich mit einem Bohnensack auch grosse und schwere Supertele-Objektive stabil aufstützen. Im südlichen Afrika werden üblicherweise offene Geländewagen eingesetzt. Frag deinen Veranstalter: Vielleicht musst du ein Stativ einsetzen, um Verwackler zu vermeiden. Schiess erst wenn es nicht anders geht aus der Hand und achte dabei auf eine genügend schnelle Verschlusszeit. Die gute alte Fotografen-Faustregel „1 über Brennweite“ gibt einen Anhaltspunkt: Zum Beispiel bei 400mm Brennweite eine Zeit von 1/400s oder schneller wählen. Ab und zu ein Testschuss während einer längeren Wartezeit kann ebenfalls sinnvoll sein. Dabei die Verschlusszeit und das Histogramm überprüfen. Die Lichtverhältnisse ändern sich manchmal schneller, als du es als Fotograf merkst: Wenn endlich der lang ersehnte Moment da ist, hast du die Kamera prompt falsch eingestellt.
  9. Fehler: Die Fotos erst zu Hause anschauen: Überprüfe deine Bilder am Notebook vor Ort. Auf einem grösseren Display stehen die Chancen besser, Bildfehler rechtzeitig zu entdecken. So hast du bereits auf der nächsten Pirschfahrt die Gelegenheit, den Fehler zu korrigieren.
  10. Fehler: Ungeduld: Es lohnt sich, die Fahrzeugposition sorgfältig zu wählen und an einem vielversprechenden Ort länger zu bleiben. Sprich dich mit deinem Guide ab und vertraue auf seine Erfahrung. Wer dauernd mit dem Safari-Fahrzeug hin und her verschiebt, sieht weniger. Besonders in Kenia sieht man häufig Mini-Buse, die ähnlich einer Sardinenbüchse prall mit Touristen gefüllt sind. Diese Kunden haben wenig Zeit und wollen voller Aufregung mit ihren Kompaktkameras oder gar mit Smartphones und Tablets die berühmten Big-Five Afrikas knipsen. Fünf Minuten pro Löwe müssen genügen. Solche Mini-Bus Ansammlungen sollte man wenn möglich meiden. Die Mini-Buse bringen viel Unruhe. Afrika ist dort am schönsten, wo man mit den Tieren alleine sein kann.
Leopard, Samburu National Reserve, Kenya, Leopard-1601, light-phenomenon.com, Daniel Haller

Nach einem Nickerchen verlässt ein Leopard seinen Baum, Samburu National Reserve, Kenia

Eine gute Vorbereitung zahlt sich aus. Trotzdem sind viele Faktoren nicht kontrollierbar und vom Zufall abhängig. Auch bei mir schleichen sich immer noch viele Fehler ein.

Doch genau das ist es, was eine Safari so spannend macht: Man weiss nie, was man zu sehen bekommt und jede Safari hält grossartige Überraschungen bereit.

Steht deine erste Safari bald bevor oder hast du bereits Erfahrungen in Afrika gesammelt?

2 Kommentare

  1. Hallo Daniel

    Wirklich gelungene Informationen und sehr sehr schöne Bilder!

    Herzlichst
    Dani Arnold

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