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Unterwegs mit der Kamera

Auf Safari mit dem NAVIN miniHomer

NAVIN miniHomer

NAVIN miniHomer, Ladekabel, LowePro Tasche, USB Adapter für den Zigarettenanzünder

Geotagging mit Adobe Lightroom 4

Kurz vor meiner Safari nach Tansania hat Adobe Lightroom 4 angekündigt. Eine neue Funktion der neuen Programm-Version hat mich neugierig werden lassen: Geotagging wird nun offiziell unterstützt. Bis zur Lightroom Version 3 war es nur über umständliche  Umwege möglich, GPS-Koordinaten mit den Bildern im Lightroom-Katalog zu verbinden. Keine der Varianten hat mich überzeugt und ich habe schlussendlich die Finger davon gelassen. Doch nun wollte ich einen Geotagging-Versuch starten: Ich habe mir extra für meine Safari in Tansania einen NAVIN miniHomer bestellt, welcher die Reise als GPS-Logger aufzeichnen sollte.

Die Vorbereitung

Ich habe alles sorgfältig im Internet recherchiert und den miniHomer schlussendlich so eingestellt, dass er alle 5 Sekunden die Position aufzeichnet, sobald er eingeschaltet ist. Dies wird durch ein kleines blinkendes Notensymbol (ja, eine Musiknote…) im Display des miniHomers angezeigt. Die Uhr habe ich passend für Tansania auf EAT (East African Time, Ostafrikanische Zeit) eingestellt. Der miniHomer empfängt von den GPS-Satelliten die genaue Zeit im UTC Format (Universal Time Coordinated, Koordinierte Weltzeit) und der Benutzer kann die Stundenanzeige des miniHomers entsprechend seinen Wünschen einstellen.

Die Option für die automatische Abschaltung des miniHomers habe ich aktiviert gelassen: Um den Akku zu schonen, schaltet sich der miniHomer selbst aus, falls er über längere Zeit keine GPS-Daten mehr empfängt. Um den miniHomer vor Kratzern und dem auf Safaris allgegenwärtigen Staub zu schützen, habe ich ihn in eine kleine LowePro Kameratasche für Kompaktkameras gesteckt.

Am ersten Abend in Ostafrika habe ich auf meinen beiden Canon DSLR-Kameras ebenfalls die genaue Zeit für Tansania eingestellt und gleichzeitig kontrolliert, dass die Uhren minutengenau mit dem miniHomer synchron laufen.

Ich hatte mir vorgenommen, den GPS-Logger immer dann einzuschalten, wenn wir mit unserem Land Cruiser unterwegs sein würden – also während den Überlandfahrten zu den Sehenswürdigkeiten und natürlich auch während den Pirschfahrten in den Nationalparks und Wildreservaten.

Lions, Moru Kopies, Serengeti TZ, Copyright: light-phenomenon.com, Daniel Haller

Stolze Tiere, Moru Kopies, Serengeti

Hat es funktioniert?

Die Antwort lautet: Ja. Es hat sogar problemloser geklappt, als ich mir erhofft hatte. Die einzigen Stolpersteine, die es während der Safari zu meistern galt:

  • Vor der der Abfahrt miniHomer einschalten! (Logisch, habe es aber trotzdem einmal vergessen…)
  • Bei der Ankunft in der Lodge oder im Camp: miniHomer ausschalten!
  • miniHomer regelmässig aufladen

Abgesehen vom Ein-/Ausschalten und Aufladen des miniHomers waren keine weiteren Manipulationen nötig – auch nicht an den Kameras. Diese einfache Handhabung hat mich beeindruckt. Zudem hat der Speicherplatz des miniHomers locker für die ganze 14-tägige Safari gereicht. Am Ende waren nur knapp 30% des fest eingebauten Speichers belegt. Zum Glück, denn ich hätte den miniHomer nicht mit meinem MacBook Air auslesen können – die passende Software (NTRIP) gibt es bisher nur in einer Windows-Version.

Fürs Aufladen des miniHomers hat sich ein kleiner USB-Adapter für den Zigarettenanzünder im Auto bewährt. Dieser kam immer dann zum Einsatz, wenn im Camp nur sporadisch Strom zur Verfügung stand. Während dem Aufladen kann der miniHomer auch problemlos mitlaufen und so zum Beispiel eine Pirschfahrt aufzeichnen. Auf ein Problem bin ich dabei allerdings gestossen: Dem miniHomer ist es in seinem Etui auf dem Armaturenbrett des Land Cruisers anscheinend doch zu heiss geworden und hat sich einmal automatisch ausgeschaltet. An einem schattigeren Plätzchen auf dem Beifahrersitz hat das kleine Gerät dann ohne Probleme funktioniert. Es lohnt sich daher ab und zu einen Blick auf das Display des miniHomers zu werfen, ob die Aufzeichnung noch läuft.

Wieder daheim

Perfektes Timing: Zu Hause angekommen, habe ich festgestellt, dass Lightroom 4 unterdessen in der finalen Version erschienen ist. Also habe ich das Upgrade im Adobe Online-Store heruntergeladen und installiert. Nach dem Update meines bestehenden Lightroom-Katalogs und dem Import der Fotos und Videos der Tansania Safari wurde es spannend: Ich habe mit der mitgelieferten Software NTRIP die GPS-Daten aus dem miniHomer ausgelesen, die einzelnen Wegstecken zu einer einzelnen Wegstrecke verbunden und diese anschliessend als *.gpx File exportiert.

1. Schritt – GPS-Daten aus dem miniHomer auslesen:

NTRIP Wegstrecken

Anzeige der aufgezeichneten Wegstrecken in NTRIP

2. Schritt – Die einzelnen Wegstrecken kombinieren:

NTRIP Wegstrecken verbinden

NTRIP Wegstrecken verbinden

Zu verbindende Wegstrecken auswählen:

NTRIP Wegstrecken auswählen

Wegstrecken auswählen

3. Schritt – Die Daten als GPX-File exportieren:

Export GPX-Datei

Export als GPX-Datei

4. Schritt – GPX-File in Lightroom importieren (“Load Tracklog…”), Fotos im Filmstreifen fürs Geotagging selektieren und “Auto-Tag (…) Selected Photos” aufrufen:

Auto-Tag in Lightroom 4

Auto-Tag in Lightroom 4

Bei diesem Schritt habe ich festgestellt, dass ich den Time Zone Offset auf +2h einstellen muss (“Set Time Zone Offset…”), damit die Zeit des Track-Logs mit den Aufnahmezeiten der Fotos übereinstimmt. Offenbar sind im *.gpx File UTC-Zeitstempel vorhanden, obwohl ich den miniHomer auf die korrekte Stunde gemäss EAT eingestellt hatte. Wenn man das weiss, stellt dies aber kein Problem dar.

Wie sich anhand der Qualität der aufgezeichneten Daten gezeigt hat, war der GPS-Empfang des miniHomers auch unter schwierigen Verhältnissen überraschend gut.

Reverse Geocoding

LR4 Reverse Geotagging

LR4 Reverse Geotagging

Was mir auch sehr gut gefällt: Automatisches Reverse-Geotagging. Lightroom 4 füllt anhand der GPS-Koordinaten die IPTC-Felder “State / Province”, “Country” und sogar den “ISO Country Code” korrekt aus. Zum Teil werden zusätzlich “Sublocation” und “City” ausgefüllt. Diese Arbeit habe ich früher von Hand machen müssen, wobei ich mich üblicherweise auf “Country” und “ISO Country Code” beschränkt habe. Die Reverse-Geotagging Funktion ist für mich ein weiterer Grund, den miniHomer künftig auf meinen Foto-Touren mitlaufen zu lassen.

Nachtrag 19.08.2012: Die grau und kursiv dargestellten Texte, welche Lightroom 4 in die IPTC-Felder einträgt, sind als Vorschläge zu betrachten. Um diese Einträge zu aktivieren, muss der Benutzer diese erst bestätigen: Mit der linken Maustaste auf den Feldtitel klicken und in der erscheinenden Liste den entsprechenden Eintrag auswählen. Hier wäre es wünschenswert, wenn Adobe es dem Benutzer überlassen würde, ob dieser die Felder automatisch oder mit manueller Bestätigung ausgefüllt haben will.

Import in Google Earth

Die GPX-Datei mit dem vom miniHomer aufgezeichneten Track kann auch in Google Earth eingelesen werden. Damit lässt sich zu Hause am Monitor die ganze Reise nochmals aus der Vogelperspektive erleben.

Ol Doinyo Lengai, Navin miniHomer, light-phenomenon.com

Import in Google Earth: Der aktive Vulkan Ol Doinyo Lengai mit dem vom miniHomer aufgezeichneten Track in blau.

Fazit

Geotagging in Lightroom 4: Das neue Karten-Modul macht bereits jetzt einen ausgereiften und sehr brauchbaren Eindruck. Gut gemacht, Adobe!

miniHomer: Der NAVIN miniHomer ist ein kleines technisches Wunder. Die Datenqualität ist hervorragend, das Gerät ist federleicht und sehr klein. Der Akku hat auf meiner Safari problemlos den ganzen Tag durchgehalten. Die Bedienung ist kinderleicht, sofern man wie ich nur die Tracker-Funktion verwendet. Der miniHomer wird in Zukunft einen festen Platz in meiner Fototasche haben.

Mein erster Geotagging-Versuch hat mich überzeugt: Ich werde weiter “geotaggen”.